Von der Zeche zum Wohnquartier: Creativrevier, Zeche Sachsen und Hamms Konversionsflächen
Hamm wandelt ehemalige Industrieareale in moderne Wohnquartiere um. Wie aus Bergbau-Brachen wie der Zeche Sachsen neue Stadtteile mit Wohnraum, Gewerbe und Naherholung entstehen.
Von der Zeche zum Wohnquartier: Creativrevier, Zeche Sachsen und Hamms Konversionsflächen
Hamm hat eine lange Bergbau-Geschichte. Wo früher Kohle gefördert wurde, entstehen heute moderne Wohnquartiere, Gewerbeflächen und Naherholungsgebiete. Die Stadt nutzt sogenannte Konversionsflächen, also ehemalige Industrie- und Militärareale, für neue Stadtteile mit eigenem Charakter. Das bekannteste Beispiel ist das Creativrevier auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Radbod in Bockum-Hövel. Aber auch die Zeche Sachsen in Heessen und weitere Flächen zeigen, wie aus Industriebrachen attraktive Wohnlagen werden.
Diese Entwicklung ist für dich als Wohnungssuchenden oder Käufer interessant: Konversionsprojekte bieten oft ein besonderes Flair, zentrale Lagen und eine durchdachte Infrastruktur. Gleichzeitig gibt es beim Wohnen auf ehemaligen Industrieflächen einige Besonderheiten zu beachten.
Was sind Konversionsflächen?
Konversionsflächen sind Grundstücke, die früher anders genutzt wurden und jetzt einer neuen Bestimmung zugeführt werden. In Hamm handelt es sich dabei vor allem um:
- ehemalige Zechengelände und Bergbau-Infrastruktur
- stillgelegte Bahnflächen und Rangierbahnhöfe
- Industriebrachen aus der Schwerindustrie
- vereinzelt militärische Liegenschaften
Die Stadt Hamm hat im Flächennutzungsplan mehrere solcher Areale für Wohnbebauung, Mischnutzung oder Gewerbe ausgewiesen. Die Umnutzung erfolgt meist schrittweise über viele Jahre und erfordert oft aufwendige Vorarbeiten: Altlasten müssen saniert, Bodenschätze gesichert und Infrastruktur neu geplant werden.
Creativrevier: Hamms Vorzeigeprojekt
Das Creativrevier auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Radbod in Bockum-Hövel ist Hamms größtes und bekanntestes Konversionsprojekt. Die Zeche Radbod förderte von 1905 bis 1990 Kohle, danach lag das rund 60 Hektar große Areal jahrelang brach.
Seit den 2000er-Jahren entwickelt die Stadt das Gelände zu einem gemischt genutzten Quartier. Heute findest du dort:
- Wohnungen in Neubauten und sanierten Zechengebäuden
- Kreativwirtschaft, Ateliers und Kultureinrichtungen wie das Künstlerhaus
- Gewerbeflächen für Start-ups und mittelständische Unternehmen
- Grünflächen, Wege und Plätze zur Naherholung
- das Radbod-Denkmal als Wahrzeichen
Das Creativrevier verbindet industrielles Erbe mit modernem Städtebau. Alte Fördertürme, Maschinenhallen und Ziegelbauten prägen das Bild, ergänzt durch zeitgenössische Architektur. Die Wohnungen entstehen in mehreren Bauabschnitten, teils als Eigentumswohnungen, teils als Mietwohnungen durch städtische und private Bauträger.
Für dich als Interessenten bedeutet das: Du wohnst in einem Quartier mit Geschichte, kurzen Wegen zur Innenstadt und einer lebendigen Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Kultur. Die Nachfrage ist hoch, Neubau-Eigentumswohnungen werden oft schon in der Planungsphase vermarktet.
Zeche Sachsen: Wohnen im Grünen mit Industriecharme
Die Zeche Sachsen in Heessen ist ein weiteres Beispiel für gelungene Konversion. Die Zeche war von 1912 bis 1976 in Betrieb. Nach der Stilllegung entstand auf Teilen des Geländes ein Wohngebiet mit Ein- und Mehrfamilienhäusern.
Besonderheit der Zeche Sachsen: Das Areal liegt inmitten von Grünflächen und Wald. Der Kurpark Heessen und die Lippe sind fußläufig erreichbar. Viele Wohngebäude wurden in den 1980er- und 1990er-Jahren errichtet, teils unter Einbeziehung alter Zechengebäude. Heute findest du dort vor allem Reihenhäuser, Doppelhaushälften und kleinere Mehrfamilienhäuser.
Der Stadtteil Zeche Sachsen ist bei Familien beliebt: ruhige Lage, viel Grün, gute Anbindung nach Heessen und Hamm-Mitte. Die Preise für Bestandsimmobilien liegen oft unter denen in zentraleren Lagen, Neubau ist selten.
Weitere Konversionsflächen in Hamm
Neben Creativrevier und Zeche Sachsen gibt es in Hamm weitere Flächen, die umgenutzt wurden oder aktuell entwickelt werden:
Ehemalige Bahnflächen: In Hamm-Mitte und anderen Stadtteilen wurden stillgelegte Bahntrassen und Rangierbahnhöfe teilweise zu Wohngebieten oder Gewerbeflächen umgewidmet. Die Nähe zum Hauptbahnhof macht solche Lagen attraktiv.
Kleinere Industriebrachen: In Herringen, Pelkum und anderen Stadtteilen entstehen auf ehemaligen Gewerbeflächen punktuell neue Wohnprojekte. Die Entwicklung erfolgt meist privat, oft im kleinen Maßstab.
Zeche Radbod Süd: Südlich des Creativreviers in Bockum-Hövel liegen weitere Flächen, die langfristig für Wohnen und Gewerbe vorgesehen sind. Die Planung läuft über mehrere Jahrzehnte.
Die Stadt Hamm veröffentlicht Informationen zu aktuellen Projekten auf ihrer Webseite unter Stadtentwicklung und Flächennutzung. Dort findest du auch Bebauungspläne und Zeitpläne.
Vorteile von Wohnen auf Konversionsflächen
Wenn du eine Wohnung oder ein Haus auf einer Konversionsfläche suchst, profitierst du von mehreren Vorteilen:
- Zentrale Lage: Viele ehemalige Zechen und Industrieareale liegen innenstadtnah oder gut angebunden.
- Besonderes Flair: Historische Gebäude, Industriearchitektur und Denkmäler schaffen eine einzigartige Atmosphäre.
- Durchdachte Planung: Neue Quartiere werden oft mit moderner Infrastruktur, Grünflächen und Mobilitätskonzepten geplant.
- Gemischte Nutzung: Wohnen, Arbeiten und Freizeit finden auf engem Raum statt, das belebt das Quartier.
- Neubaustandard: Viele Wohnungen entstehen neu und erfüllen aktuelle energetische Anforderungen.
Worauf du achten solltest
Gleichzeitig gibt es bei Konversionsflächen einige Punkte, die du vor dem Kauf oder der Anmietung prüfen solltest:
Altlasten: Ehemalige Industrieareale können Bodenverunreinigungen aufweisen. Bei Neubauprojekten ist die Sanierung in der Regel bereits erfolgt und im Bebauungsplan dokumentiert. Frage beim Verkäufer oder der Stadt nach dem Altlastengutachten. Bei Bestandsimmobilien, die direkt auf altem Zechengrund stehen, solltest du ein Bodengutachten einholen.
Bergbaufolgen: In Hamm gibt es Bereiche mit Bergbaueinwirkungen. Das betrifft vor allem ehemalige Zechenstandorte. Die Bezirksregierung Arnsberg führt ein Bergschadenskataster. Prüfe, ob dein Wunschobjekt in einem solchen Gebiet liegt. Manche Versicherer verlangen dann einen Zuschlag oder Ausschluss bei der Wohngebäudeversicherung.
Lärmschutz: Konversionsflächen liegen manchmal in der Nähe von Bahnlinien, Gewerbe oder Hauptstraßen. Achte auf Lärmschutzmaßnahmen im Bebauungsplan und prüfe die Lage vor Ort zu verschiedenen Tageszeiten.
Infrastruktur: Neue Quartiere brauchen Zeit, bis Geschäfte, Ärzte und Schulen folgen. Informiere dich, welche Einrichtungen bereits vorhanden sind und was geplant ist.
Bauphasen: Große Konversionsprojekte werden oft in Abschnitten realisiert. Rechne mit Baustellenverkehr und Lärm über Jahre. Frage den Bauträger oder die Stadt nach dem Zeitplan.
Fördermöglichkeiten und Finanzierung
Bei Neubau auf Konversionsflächen kannst du die üblichen Förderprogramme nutzen. Die KfW bietet Kredite und Zuschüsse für energieeffiziente Neubauten (z. B. KfW 297, 298 für Effizienzhaus 40). Das Land Nordrhein-Westfalen fördert in bestimmten Fällen den sozialen Wohnungsbau.
Bei denkmalgeschützten Gebäuden, die in Konversionsprojekten erhalten werden, gibt es steuerliche Vorteile nach § 7i EStG (Denkmal-AfA). Prüfe, ob dein Wunschobjekt unter Denkmalschutz steht. Die Untere Denkmalbehörde der Stadt Hamm gibt Auskunft.
Mieten oder kaufen auf Konversionsflächen?
Die Entscheidung hängt von deiner Situation ab. Mietwohnungen auf Konversionsflächen sind oft in Neubauten zu finden, mit modernem Standard und höheren Quadratmeterpreisen als im Bestand. Eigentumswohnungen werden häufig schon in der Planungsphase verkauft, die Preise orientieren sich an der Lage und Ausstattung.
Im Creativrevier liegen die Kaufpreise für Neubauwohnungen oft zwischen 2.500 und 3.500 Euro pro Quadratmeter, abhängig von Größe und Ausstattung. Mietpreise für Neubau starten bei etwa 9 bis 12 Euro pro Quadratmeter kalt. Bestandswohnungen in der Zeche Sachsen sind günstiger, oft zwischen 1.500 und 2.500 Euro pro Quadratmeter beim Kauf.
Eine Übersicht über aktuelle Angebote findest du auf unserer Wohnungssuche. Für eine fundierte Einschätzung des Marktwerts kannst du unsere Immobilienbewertung nutzen.
Wie du an Informationen kommst
Wenn dich eine Konversionsfläche in Hamm interessiert, gehe so vor:
- Bebauungsplan prüfen: Die Stadt Hamm stellt Bebauungspläne online zur Verfügung. Dort siehst du, was auf der Fläche geplant ist, welche Nutzungen erlaubt sind und welche Auflagen gelten.
- Altlastenauskunft einholen: Die Untere Bodenschutzbehörde bei der Stadt Hamm führt ein Altlastenkataster. Du kannst dort Auskunft über bekannte Verunreinigungen beantragen.
- Bergschadenskataster: Die Bezirksregierung Arnsberg informiert über Bergbaueinwirkungen. Eine Anfrage ist online möglich.
- Vor Ort informieren: Besuche das Quartier mehrfach, sprich mit Anwohnern und prüfe die Anbindung.
- Bauträger kontaktieren: Bei Neubauprojekten erhältst du vom Bauträger Exposés, Grundrisse und Informationen zu Ausstattung und Zeitplan.
Zukunft der Konversionsflächen in Hamm
Hamm wird auch in den kommenden Jahren Konversionsflächen entwickeln. Die Stadt hat im Flächennutzungsplan weitere Areale für Wohnbebauung vorgesehen. Der Fokus liegt auf Innenentwicklung, also der Nutzung bereits versiegelter Flächen, statt neuer Grünflächen zu versiegeln.
Das Creativrevier wird weiter wachsen, neue Bauabschnitte sind in Planung. Auch kleinere Projekte in anderen Stadtteilen tragen dazu bei, dass Hamm seinen Wohnungsbestand erweitert und gleichzeitig industrielles Erbe bewahrt.
Für dich bedeutet das: Das Angebot an Wohnungen auf Konversionsflächen wird zunehmen. Halte die Augen offen, informiere dich frühzeitig und nutze die Chance, in einem Quartier mit Geschichte und Zukunft zu wohnen.
Häufige Fragen
Was ist das Creativrevier in Hamm?
Das Creativrevier ist ein etwa 60 Hektar großes Areal auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Radbod in Bockum-Hövel. Seit den 2000er-Jahren entsteht dort ein gemischt genutztes Quartier mit Wohnungen, Kreativwirtschaft, Gewerbe und Grünflächen. Historische Zechengebäude werden erhalten und ergänzt durch moderne Neubauten.
Sind Altlasten auf ehemaligen Zechengeländen ein Problem?
Bei Neubauprojekten werden Altlasten in der Regel vor Baubeginn saniert. Die Sanierung ist im Bebauungsplan und in Bodengutachten dokumentiert. Bei Bestandsimmobilien solltest du vor dem Kauf ein aktuelles Bodengutachten einholen. Die Stadt Hamm führt ein Altlastenkataster, bei dem du Auskunft beantragen kannst.
Wie finde ich heraus, ob mein Wunschobjekt in einem Bergschadensgebiet liegt?
Die Bezirksregierung Arnsberg führt das Bergschadenskataster für Nordrhein-Westfalen. Du kannst dort online oder schriftlich Auskunft über Bergbaueinwirkungen für eine konkrete Adresse beantragen. Bei Immobilien auf ehemaligen Zechengeländen ist eine solche Prüfung sinnvoll.
Welche Stadtteile in Hamm haben Konversionsflächen?
Die größten Konversionsprojekte liegen in Bockum-Hövel (Creativrevier, Zeche Radbod) und Heessen (Zeche Sachsen). Kleinere Projekte gibt es in Hamm-Mitte, Herringen, Pelkum und anderen Stadtteilen, oft auf ehemaligen Bahnflächen oder Industriebrachen. Die Stadt Hamm informiert auf ihrer Webseite über aktuelle Entwicklungen.
Sind Wohnungen auf Konversionsflächen teurer als anderswo?
Das hängt vom Projekt ab. Neubauten im Creativrevier liegen preislich im oberen Segment für Hamm, oft zwischen 2.500 und 3.500 Euro pro Quadratmeter. Bestandswohnungen in der Zeche Sachsen sind günstiger. Generell bieten Konversionsflächen eine breite Preisspanne, abhängig von Lage, Ausstattung und Baujahr.
Gibt es Fördermittel für den Kauf auf Konversionsflächen?
Für Neubauten kannst du die üblichen KfW-Programme für energieeffizientes Bauen nutzen. Bei denkmalgeschützten Gebäuden in Konversionsprojekten kommt die Denkmal-AfA nach § 7i EStG in Betracht. Spezielle Förderprogramme nur für Konversionsflächen gibt es in der Regel nicht, aber die allgemeinen Wohnungsbau-Förderungen gelten auch hier.
Wie lange dauert die Entwicklung eines Konversionsprojekts?
Große Projekte wie das Creativrevier erstrecken sich über mehrere Jahrzehnte. Einzelne Bauabschnitte dauern in der Regel 2 bis 5 Jahre von der Planung bis zur Fertigstellung. Rechne bei Neubauprojekten mit Baustellenverkehr und Lärm über einen längeren Zeitraum. Der Bauträger oder die Stadt kann dir einen Zeitplan nennen.