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Vermietete Wohnung verkaufen: Rechte des Mieters und realistischer Preisabschlag

Wer in Hamm eine vermietete Wohnung verkaufen möchte, muss die Rechte des Mieters beachten. Erfahre, welche Pflichten du als Vermieter hast und mit welchem Preisabschlag du realistisch rechnen solltest.

Vermietete Wohnung verkaufen: Rechte des Mieters und realistischer Preisabschlag

Der Verkauf einer vermieteten Wohnung in Hamm unterscheidet sich grundlegend vom Verkauf einer leerstehenden Immobilie. Während du als Eigentümer grundsätzlich frei über dein Eigentum verfügen kannst, genießt der Mieter umfangreiche Schutzrechte. Zudem musst du mit einem Preisabschlag rechnen, da viele Käufer lieber eigengenutzte oder leer stehende Objekte erwerben.

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Rechte dein Mieter hat, welche Pflichten du als Verkäufer beachten musst und mit welchem realistischen Preisabschlag du in Hamm rechnen solltest.

Grundprinzip: Kauf bricht nicht Mietvertrag

Das wichtigste Prinzip beim Verkauf vermieteter Wohnungen ist im § 566 BGB verankert: Kauf bricht nicht Miete. Das bedeutet konkret: Der bestehende Mietvertrag geht unverändert auf den neuen Eigentümer über. Der Mieter behält alle Rechte aus dem ursprünglichen Vertrag, Kündigungsfristen und Kündigungsschutz bleiben vollständig erhalten. Auch die Kaution wird auf den Käufer übertragen.

Für dich als Verkäufer bedeutet das: Du kannst den Mieter nicht einfach kündigen, um die Wohnung leer zu verkaufen, zumindest nicht ohne triftigen Grund.

Welche Rechte hat der Mieter beim Verkauf?

Vorkaufsrecht des Mieters

Dein Mieter hat unter bestimmten Umständen ein gesetzliches Vorkaufsrecht. Es gilt bei Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen (§ 577 BGB) für maximal 5 Jahre nach der Umwandlung. In Gebieten mit Milieuschutzsatzung kann die Frist verlängert sein. Der Mieter kann dann zu den gleichen Konditionen kaufen wie der Dritte.

In Hamm-Mitte und Teilen von Heessen gibt es Gebiete, in denen besondere Schutzvorschriften gelten können. Informiere dich beim Stadtplanungsamt über mögliche Vorkaufsrechte der Stadt oder erweiterte Mieterrechte.

Informationspflicht gegenüber dem Mieter

Du bist verpflichtet, deinen Mieter über den Verkauf zu informieren. Die schriftliche Mitteilung sollte Name und Anschrift des neuen Eigentümers, den Zeitpunkt des Eigentumsübergangs sowie die neue Bankverbindung für die Mietzahlung enthalten. Die Information sollte spätestens mit dem Eigentumsübergang erfolgen, idealerweise bereits vorher.

Besichtigungsrechte bei Verkauf

Während der Verkaufsphase möchtest du potenzielle Käufer durch die Wohnung führen. Dabei musst du folgendes beachten: Der Mieter muss Besichtigungen grundsätzlich dulden, sie müssen aber rechtzeitig (mindestens 3 bis 4 Tage vorher) angekündigt werden. Sie sollten zu zumutbaren Zeiten stattfinden (werktags, nicht zu früh oder spät). Maximal 1 bis 2 Termine pro Woche sind angemessen. Der Mieter darf bei der Besichtigung anwesend sein.

Tipp: Vereinbare mit deinem Mieter eine einvernehmliche Regelung. Ein kooperativer Mieter, der die Wohnung gepflegt präsentiert, erhöht deine Verkaufschancen erheblich.

Kann ich den Mieter vor dem Verkauf kündigen?

Kündigung wegen Eigenbedarf

Eine Kündigung vor dem Verkauf ist grundsätzlich schwierig. Die häufigste Möglichkeit ist die Eigenbedarfskündigung, aber: Du selbst oder nahe Familienangehörige müssen die Wohnung tatsächlich nutzen wollen. Eine Verkaufsabsicht gilt nicht als Eigenbedarf. Auch der künftige Käufer kann nicht vor Eigentumsübergang Eigenbedarf anmelden. Die Kündigungsfrist beträgt mindestens 3 Monate (bei längerer Mietdauer entsprechend länger).

Falsche Angaben beim Eigenbedarf können zu Schadensersatzforderungen führen. Der Mieter kann bis zu drei Jahre nach Auszug Schadensersatz verlangen, wenn sich herausstellt, dass kein echter Eigenbedarf bestand.

Kündigung nach Verkauf durch den Käufer

Der neue Eigentümer kann nach dem Kauf Eigenbedarf anmelden, vorausgesetzt, er oder seine Familie will die Wohnung selbst nutzen. Die gesetzlichen Kündigungsfristen müssen eingehalten werden (3 bis 9 Monate je nach Mietdauer). Bei Umwandlung in Eigentumswohnungen gilt eine Sperrfrist von 3 Jahren (in manchen Gebieten bis zu 10 Jahre).

In stark nachgefragten Stadtteilen wie Bockum-Hövel oder Bad Hamm sind Eigenbedarfskündigungen häufiger, da viele Käufer selbst einziehen möchten.

Kündigung wegen Zahlungsverzug oder Pflichtverletzung

Unabhängig vom Verkauf kannst du kündigen bei Zahlungsverzug von mindestens zwei Monatsmieten, erheblichen Vertragsverletzungen (z.B. unerlaubte Untervermietung) oder nachhaltigen Störungen des Hausfriedens. Diese Gründe sind aber unabhängig von der Verkaufsabsicht und müssen rechtssicher dokumentiert werden.

Realistischer Preisabschlag bei vermieteten Wohnungen

Wie viel weniger ist eine vermietete Wohnung wert?

Der Preisabschlag bei vermieteten Wohnungen in Hamm hängt von mehreren Faktoren ab. Typische Abschläge liegen bei 10 bis 15 % bei marktüblicher Miete und kurzer Restmietdauer, bei 15 bis 25 % bei langfristigem Mietvertrag und durchschnittlicher Miete sowie bei 25 bis 40 % bei deutlich unter Marktmiete liegender Altmiete. Bei attraktiver Rendite für Kapitalanleger kann der Abschlag auch nur 5 bis 10 % betragen.

Der Abschlag fällt in Hamm tendenziell geringer aus als in Großstädten, da hier der Anteil an Eigennutzern unter den Käufern höher ist.

Faktoren, die den Preisabschlag beeinflussen

Höhe der aktuellen Miete

Vergleiche die aktuelle Miete mit dem Mietspiegel Hamm. Liegt die Miete deutlich unter dem Marktpreis, sinkt der Verkaufswert erheblich. Bei marktüblicher oder überdurchschnittlicher Miete ist der Abschlag geringer. Kapitalanleger interessieren sich vor allem für die Rendite.

Beispiel: Eine 70-qm-Wohnung in Uentrop mit 450 € Kaltmiete (6,40 €/qm) liegt unter dem Durchschnitt von etwa 7 bis 8 €/qm. Bei einem theoretischen Leerverkaufspreis von 180.000 € musst du mit einem Abschlag von 20 bis 30 % rechnen.

Restlaufzeit des Mietvertrags

Unbefristete Mietverträge (Standard) bedeuten höheren Abschlag. Befristete Verträge mit baldiger Beendigung reduzieren den Abschlag. Je kürzer die Restlaufzeit, desto attraktiver für Eigennutzer.

Kündigungsschutz und Sperrfristen

Nach Umwandlung in Eigentumswohnungen gelten Sperrfristen. In Hamm beträgt die Sperrfrist in der Regel 3 Jahre. Während dieser Zeit kann der Käufer nicht wegen Eigenbedarfs kündigen. Das erhöht den Preisabschlag deutlich.

Zustand der Wohnung

Bei vermieteten Wohnungen können Käufer den Zustand schwerer einschätzen. Möblierte Räume verbergen manchmal Mängel. Unsicherheit über Renovierungsbedarf führt zu Risikoabschlag.

Käuferzielgruppe

In Hamm unterscheiden sich die Zielgruppen erheblich. Kapitalanleger (bevorzugt in Hamm-Mitte, Herringen) interessieren sich für Rendite und akzeptieren vermietete Wohnungen. Eigennutzer (bevorzugt in Pelkum, Rhynern) wollen meist sofort einziehen und meiden vermietete Objekte.

Beispielrechnungen für Hamm

Beispiel 1: Wohnung mit Marktmiete in Bockum-Hövel

3-Zimmer-Wohnung, 75 qm, aktuelle Miete: 600 € kalt (8 €/qm, marktüblich). Leerverkaufspreis (geschätzt): 200.000 €. Preisabschlag: ca. 10 bis 15 %. Realistischer Verkaufspreis vermietet: 170.000 bis 180.000 €.

Beispiel 2: Altbauwohnung mit niedriger Miete in Hamm-Mitte

4-Zimmer-Altbau, 90 qm, aktuelle Miete: 540 € kalt (6 €/qm, deutlich unter Markt). Langjähriger Mieter mit starkem Kündigungsschutz. Leerverkaufspreis (geschätzt): 165.000 €. Preisabschlag: ca. 25 bis 30 %. Realistischer Verkaufspreis vermietet: 115.000 bis 125.000 €.

Beispiel 3: Neuere Wohnung für Kapitalanleger in Heessen

2-Zimmer-Wohnung, 55 qm, Baujahr 2015, aktuelle Miete: 480 € kalt (8,70 €/qm, gute Rendite). Kaufpreis vermietet: 145.000 €. Mietrendite: ca. 4 % (attraktiv für Anleger). Preisabschlag: nur ca. 5 bis 8 %. Hier kann der Preis nahe am Leerverkaufswert liegen.

Strategien für den optimalen Verkauf

Option 1: Verkauf mit Mieter an Kapitalanleger

Vorteile: Kein Aufwand mit Kündigung und Leerstand, sofortiger Verkauf möglich, Miete fließt bis zum Verkauf weiter, attraktiv bei guter Rendite.

Nachteile: Kleinere Käufergruppe, Preisabschlag erforderlich, abhängig von der aktuellen Miethöhe.

Betone in der Verkaufsanzeige die Rendite. Rechne vor: "Vermietete 3-Zimmer-Wohnung in Hamm-Heessen, 4,2 % Mietrendite, zuverlässiger Mieter seit 5 Jahren."

Option 2: Einvernehmliche Aufhebung mit dem Mieter

Manchmal lässt sich mit dem Mieter eine einvernehmliche Aufhebung vereinbaren. Mögliche Anreize sind Abfindungszahlung (üblich: 3 bis 6 Monatsmieten), Übernahme der Umzugskosten, Hilfe bei der Wohnungssuche oder flexibler Auszugstermin.

Vorteile: Höherer Verkaufspreis möglich, größere Käufergruppe (auch Eigennutzer), Wohnung kann vor Verkauf renoviert werden.

Nachteile: Kosten für Abfindung und eventuelle Renovierung, Leerstandszeit ohne Mieteinnahmen, keine Garantie, dass der Mieter zustimmt.

Rechenbeispiel: Bei einer Abfindung von 3.000 € (5 Monatsmieten) und 2 Monaten Leerstand verlierst du ca. 4.200 €. Wenn du dadurch aber 15 % mehr Verkaufspreis erzielst (z.B. 30.000 € bei 200.000 €), lohnt sich die Investition.

Option 3: Verkauf an den Mieter selbst

Dein Mieter könnte der ideale Käufer sein.

Vorteile: Keine Besichtigungen mit Fremden, Mieter kennt die Wohnung genau, schnelle, unkomplizierte Abwicklung, keine Unsicherheiten über Zustand.

Nachteile: Mieter hat möglicherweise kein Kaufinteresse, eventuell niedrigerer Preis als am freien Markt, Finanzierung muss gesichert sein.

Tipp: Sprich deinen Mieter frühzeitig an, bevor du die Wohnung öffentlich anbietest. Viele Mieter haben über die Jahre eine emotionale Bindung entwickelt und würden gerne kaufen, wenn die Konditionen stimmen.

Steuerliche Aspekte beim Verkauf vermieteter Wohnungen

Spekulationsfrist bei vermieteten Immobilien

Beim Verkauf vermieteter Wohnungen gelten besondere steuerliche Regeln. Die 10-Jahres-Frist besagt: Gewinne aus dem Verkauf sind steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als 10 Jahre liegen. Bei selbstgenutzten Immobilien gilt die Frist nicht (Verkauf jederzeit steuerfrei). Bei vermieteten Wohnungen musst du die volle Frist abwarten.

Beispiel: Du hast 2018 eine Wohnung in Werries gekauft und vermietet. Bei Verkauf 2025 (nach 7 Jahren) musst du den Gewinn versteuern. Ab 2028 wäre der Verkauf steuerfrei.

Abschreibungen und Werbungskosten

Solange du vermietest, kannst du weiterhin profitieren: 2 % Abschreibung pro Jahr (bei Baujahr ab 1925), alle Werbungskosten (Reparaturen, Hausverwaltung, Fahrtkosten), auch während der Verkaufsphase. Das kann die Wartezeit bis zum steuerfreien Verkauf finanziell erträglicher machen.

Rechtliche Fallstricke vermeiden

Häufige Fehler beim Verkauf vermieteter Wohnungen

Falsche Angaben über Eigenbedarf

Täusche niemals "Schein-Eigenbedarf" vor. Der Mieter kann bis zu 3 Jahre nach Auszug Schadensersatz fordern. Die Beweislast liegt beim Vermieter.

Unzulässige Besichtigungen

Zu häufige oder kurzfristig angesetzte Termine sowie Besichtigungen zu unzumutbaren Zeiten sind unzulässig. Der Mieter kann Schadensersatz oder Mietminderung geltend machen.

Fehlende Informationen an den Mieter

Versäumte Mitteilung über Eigentümerwechsel oder falsche Angaben zu Nebenkosten oder Rücklagen können zu Rechtsstreitigkeiten führen.

Unvollständige Unterlagen für den Käufer

Stelle dem Käufer alle wichtigen Dokumente bereit: aktueller Mietvertrag, Nebenkostenabrechnungen der letzten 3 Jahre, Protokolle der Eigentümerversammlungen, Nachweis über Kautionshinterlegung, Hausordnung und Hausverwalter-Kontakt.

Immobilienbewertung: Was ist deine vermietete Wohnung wert?

Um den realistischen Verkaufspreis zu ermitteln, solltest du eine professionelle Immobilienbewertung in Betracht ziehen. Dabei werden berücksichtigt: Lage und Stadtteil in Hamm, Größe, Zustand und Ausstattung, aktuelle Miethöhe und Mietvertragslaufzeit, Vergleichspreise in der Umgebung sowie Renditeerwartungen von Kapitalanlegern.

Eine Bewertung hilft dir, den Preisabschlag realistisch einzuschätzen und vermeidet zu lange Vermarktungszeiten durch überhöhte Preisvorstellungen.

Checkliste: Vermietete Wohnung verkaufen

Vor dem Verkauf:

  • Mietvertrag und alle Unterlagen prüfen
  • Aktuelle Miethöhe mit Mietspiegel vergleichen
  • Sperrfristen und Vorkaufsrechte klären
  • Immobilienbewertung einholen
  • Gespräch mit Mieter über mögliche Lösungen
  • Entscheidung: Verkauf mit Mieter oder Aufhebungsvereinbarung?

Während der Vermarktung:

  • Besichtigungen rechtzeitig mit Mieter abstimmen
  • Alle Unterlagen für Käufer vorbereiten
  • Mietvertrag, Nebenkostenabrechnungen, Protokolle bereithalten
  • Renditeberechnung für Kapitalanleger aufbereiten
  • Energieausweis beschaffen

Beim Verkauf:

  • Mieter schriftlich über Eigentümerwechsel informieren
  • Kaution an neuen Eigentümer übertragen
  • Hausverwaltung informieren
  • Alle Rechte und Pflichten im Kaufvertrag regeln
  • Übergabeprotokoll mit neuem Eigentümer

Lokale Besonderheiten in Hamm

Nachfrage nach Anlageobjekten in verschiedenen Stadtteilen

Die Attraktivität vermieteter Wohnungen variiert in Hamm stark nach Stadtteil.

Hohe Nachfrage von Kapitalanlegern besteht in Hamm-Mitte (zentrale Lage, gute Infrastruktur), Bockum-Hövel (solide Mietnachfrage, moderate Preise) und Heessen (gute Verkehrsanbindung, stabile Mieten).

Bevorzugt von Eigennutzern sind Pelkum (ruhige Wohnlage, Familien), Rhynern (ländlicher Charakter, Eigenheime dominieren) und Uentrop (grüne Umgebung, weniger Anlageobjekte).

In Stadtteilen mit hoher Eigennutzer-Nachfrage fällt der Preisabschlag für vermietete Wohnungen tendenziell höher aus.

Mietniveau und Renditeerwartungen

Kapitalanleger orientieren sich an der Bruttorendite: 4 bis 5 % und mehr gelten als attraktiv, 3 bis 4 % als akzeptabel, unter 3 % als wenig interessant.

Bei durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 2.000 bis 2.800 € in Hamm und Kaltmieten von 7 bis 9 €/qm ergeben sich je nach Lage Renditen von 3 bis 4,5 %. Das macht Hamm für Kapitalanleger durchaus interessant.

Fazit: Mit realistischen Erwartungen zum Erfolg

Der Verkauf einer vermieteten Wohnung in Hamm erfordert sorgfältige Planung und realistische Preisvorstellungen. Die wichtigsten Erkenntnisse: Der Mieter hat umfangreiche Schutzrechte, Kauf bricht nicht Miete. Preisabschläge von 10 bis 30 % sind üblich, abhängig von Miethöhe und Restlaufzeit. Kapitalanleger interessieren sich für Rendite, Eigennutzer bevorzugen leere Wohnungen. Eine einvernehmliche Lösung mit dem Mieter kann sich finanziell lohnen. Professionelle Bewertung und Beratung helfen, den optimalen Verkaufsweg zu finden.

Wenn du alle rechtlichen Vorgaben beachtest, transparent kommunizierst und den Preis realistisch ansetzt, steht einem erfolgreichen Verkauf deiner vermieteten Wohnung in Hamm nichts im Wege.

Du möchtest deine vermietete Wohnung in Hamm verkaufen? Auf dem Hammer Wohnungsmarkt findest du die passende Plattform für deine Immobilie.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich meinen Mieter einfach kündigen, um die Wohnung leer zu verkaufen?

Nein, eine Kündigung nur wegen Verkaufsabsicht ist nicht zulässig. Du kannst nur bei triftigen Gründen kündigen, etwa bei echtem Eigenbedarf (für dich oder nahe Angehörige), erheblichen Vertragsverletzungen oder Zahlungsverzug. Eine Kündigung allein, um einen höheren Verkaufspreis zu erzielen, ist rechtlich unzulässig und kann zu Schadensersatzforderungen führen.

Wie viel weniger ist eine vermietete Wohnung wert?

Der Preisabschlag liegt in Hamm typischerweise zwischen 10 % und 30 %, abhängig von mehreren Faktoren. Bei marktüblicher Miete und guter Rendite für Kapitalanleger kann der Abschlag bei nur 10 bis 15 % liegen. Bei deutlich unter Marktpreis liegender Miete und langfristigem Mietvertrag können es auch 25 bis 30 % sein. Entscheidend sind die aktuelle Miethöhe, die Restlaufzeit des Vertrags und die Käuferzielgruppe.

Hat mein Mieter ein Vorkaufsrecht beim Verkauf?

Ein gesetzliches Vorkaufsrecht besteht nur unter bestimmten Bedingungen: bei Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen innerhalb von 5 Jahren nach der Umwandlung (§ 577 BGB). In Gebieten mit Erhaltungssatzung kann die Frist verlängert sein. Bei normalen Verkäufen ohne vorherige Umwandlung hat der Mieter kein automatisches Vorkaufsrecht, es sei denn, es wurde vertraglich vereinbart.

Muss ich meinen Mieter über den Verkauf informieren?

Ja, du bist verpflichtet, deinen Mieter schriftlich über den Eigentümerwechsel zu informieren. Die Mitteilung sollte Name und Anschrift des neuen Eigentümers, den Zeitpunkt des Eigentumsübergangs und die neue Bankverbindung für die Mietzahlung enthalten. Die Information sollte spätestens mit dem Eigentumsübergang erfolgen, idealerweise bereits vorher, um Vertrauen zu schaffen.

Wie oft darf ich Besichtigungen mit Kaufinteressenten durchführen?

Der Mieter muss Besichtigungen grundsätzlich dulden, aber nur in angemessenem Umfang. Als Orientierung gelten 1 bis 2 Besichtigungstermine pro Woche zu zumutbaren Zeiten (werktags, nicht zu früh oder spät). Die Termine müssen mindestens 3 bis 4 Tage im Voraus angekündigt werden. Übermäßig häufige oder kurzfristige Besichtigungen kann der Mieter ablehnen.

Kann der neue Eigentümer dem Mieter sofort nach Kauf kündigen?

Nicht ohne triftigen Grund. Der neue Eigentümer kann wegen Eigenbedarfs kündigen, muss aber die gesetzlichen Kündigungsfristen einhalten (3 bis 9 Monate je nach Mietdauer). Bei umgewandelten Eigentumswohnungen gilt zudem eine Sperrfrist von mindestens 3 Jahren, in denen keine Eigenbedarfskündigung möglich ist. Der Mieter genießt den vollen Kündigungsschutz auch gegenüber dem neuen Eigentümer.

Lohnt sich eine Abfindung an den Mieter für vorzeitigen Auszug?

Das hängt von der Rechnung ab. Typische Abfindungen liegen bei 3 bis 6 Monatsmieten. Wenn du dadurch aber 15 bis 20 % mehr Verkaufspreis erzielen kannst (durch Verkauf an Eigennutzer statt Anleger), kann sich die Investition lohnen. Berücksichtige auch die Leerstandszeit ohne Mieteinnahmen und eventuelle Renovierungskosten. Eine Beispielrechnung mit konkreten Zahlen hilft bei der Entscheidung.

Was passiert mit der Mietkaution beim Verkauf?

Die Mietkaution geht automatisch auf den neuen Eigentümer über. Du als Verkäufer musst die Kaution an den Käufer übertragen, entweder durch Abtretung des Kautionskontos oder durch Auszahlung und Neuanlage durch den Käufer. Der Mieter hat Anspruch darauf, dass seine Kaution weiterhin ordnungsgemäß (getrennt vom Vermögen des Vermieters, verzinslich) angelegt wird.

Wie wirkt sich eine niedrige Bestandsmiete auf den Verkaufspreis aus?

Eine deutlich unter Marktniveau liegende Miete reduziert den Verkaufspreis erheblich, oft um 20 bis 30 % oder mehr. Für Kapitalanleger ist die Rendite entscheidend, bei niedriger Miete sinkt die Attraktivität. Zudem kann der neue Eigentümer die Miete nur schrittweise erhöhen (maximal 15 bis 20 % in drei Jahren, Kappungsgrenze). Das macht die Wohnung für Investoren deutlich weniger interessant.

Muss ich die Wohnung vor dem Verkauf renovieren?

Bei vermieteten Wohnungen ist eine Renovierung vor dem Verkauf meist nicht sinnvoll, da du ohnehin mit Preisabschlag verkaufst. Der Mieter nutzt die Wohnung weiter, sodass Renovierungen schnell wieder abgenutzt werden. Sinnvoller ist es, den Verkaufspreis entsprechend anzupassen. Anders sieht es aus, wenn du eine Aufhebungsvereinbarung mit dem Mieter triffst. Dann kann eine Renovierung den Verkaufspreis an Eigennutzer deutlich steigern.