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Bebauungsplan lesen: GRZ, GFZ und was auf deinem Grundstück in Hamm möglich ist

Bebauungspläne legen fest, was du auf deinem Grundstück bauen darfst. Wir erklären dir, wie du GRZ, GFZ und andere Festsetzungen in Hamm richtig liest und was sie für dein Bauvorhaben bedeuten.

Bebauungsplan lesen: GRZ, GFZ und was auf deinem Grundstück in Hamm möglich ist

Wer in Hamm ein Grundstück kaufen oder bebauen möchte, kommt am Bebauungsplan nicht vorbei. Dieses amtliche Dokument legt fest, was wo und wie gebaut werden darf, von der Größe des Hauses über die Dachform bis zur Anzahl der Stellplätze. Für Laien wirken die Abkürzungen und Symbole auf den ersten Blick kryptisch. Doch mit etwas Grundwissen lässt sich ein B-Plan durchaus entschlüsseln.

In diesem Ratgeber erklären wir dir die wichtigsten Kennzahlen und Festsetzungen, die in Hammer Bebauungsplänen vorkommen, verständlich, praxisnah und mit lokalem Bezug.

Was ist ein Bebauungsplan und wo findest du ihn?

Ein Bebauungsplan (kurz: B-Plan) ist eine rechtsverbindliche Satzung der Stadt Hamm. Er konkretisiert für ein bestimmtes Gebiet, was das Baugesetzbuch allgemein vorgibt. Jeder B-Plan besteht aus einem zeichnerischen Teil (der eigentlichen Plankarte) und einem Textteil mit ergänzenden Festsetzungen und Begründungen.

Einsicht in Hammer Bebauungspläne

Die Stadt Hamm stellt viele Bebauungspläne digital zur Verfügung:

  • Online-Einsicht: Über das Geoportal der Stadt Hamm kannst du Bebauungspläne einsehen und als PDF herunterladen
  • Bauamt: Im Rathaus (Stadtplanungsamt, Theodor-Heuss-Platz) erhältst du Auskunft und kannst Pläne vor Ort einsehen
  • Notartermin: Beim Grundstückskauf legt der Notar oft relevante Auszüge vor, prüfe sie sorgfältig

Tipp: Frag beim Verkäufer oder Makler nach dem aktuellen B-Plan. Manchmal gibt es mehrere überlagernde Pläne oder Änderungen, die Stadt gibt verbindlich Auskunft.

Die wichtigsten Kennzahlen: GRZ und GFZ

Zwei Zahlen bestimmen maßgeblich, wie groß dein Haus werden darf: die Grundflächenzahl (GRZ) und die Geschossflächenzahl (GFZ).

Grundflächenzahl (GRZ)

Die GRZ gibt an, welcher Anteil der Grundstücksfläche überbaut werden darf. Sie wird als Dezimalzahl angegeben, z. B. 0,4.

Beispiel: Du hast ein 500 m² großes Grundstück in Pelkum mit GRZ 0,4.

  • Maximal überbaubare Grundfläche: 500 m² × 0,4 = 200 m²
  • Das umfasst die Grundfläche des Hauses (z. B. 10 m × 12 m = 120 m²) plus Garage, Carport, Terrasse und andere befestigte Flächen

Wichtig: Die GRZ darf in der Regel um bis zu 50 % durch Nebenanlagen (Garage, Stellplätze, Zufahrten, Terrassen) überschritten werden, aber höchstens bis zu einer GRZ von 0,8. In unserem Beispiel:

  • GRZ 0,4 → 200 m² Hauptgebäude
  • Plus 50 % → weitere 100 m² für Nebenanlagen
  • Gesamt: maximal 300 m² versiegelte Fläche (entspricht GRZ 0,6)

Die restlichen 200 m² müssen als Grünfläche erhalten bleiben.

Geschossflächenzahl (GFZ)

Die GFZ regelt, wie viel Geschossfläche insgesamt auf dem Grundstück entstehen darf, also die Summe aller Vollgeschosse.

Beispiel: Gleiches Grundstück (500 m²) mit GFZ 0,8.

  • Maximal zulässige Geschossfläche: 500 m² × 0,8 = 400 m²
  • Bei einer Grundfläche von 120 m² könntest du theoretisch 3 Vollgeschosse bauen (3 × 120 = 360 m²)
  • Oder 2 Vollgeschosse plus ausgebautes Dachgeschoss, sofern dieses als Vollgeschoss zählt

Was zählt als Vollgeschoss? Das regelt die Bauordnung NRW: Ein Geschoss gilt als Vollgeschoss, wenn es über mindestens 2,30 m lichte Höhe verfügt und seine Deckenoberkante im Mittel nicht mehr als 1,40 m unter der Geländeoberfläche liegt. Ausgebaute Dachgeschosse zählen oft als Vollgeschoss, wenn sie groß genug sind.

Weitere wichtige Festsetzungen im Bebauungsplan

Art der baulichen Nutzung

Der B-Plan legt fest, welche Nutzung zulässig ist. In Hamm findest du häufig:

  • WA (Allgemeines Wohngebiet): Wohnen steht im Vordergrund, kleinere Läden und Praxen sind erlaubt
  • WR (Reines Wohngebiet): Ausschließlich Wohnen, keine Gewerbebetriebe
  • MI (Mischgebiet): Wohnen und Gewerbe gleichberechtigt, z. B. in Hamm-Mitte oder Heessen
  • GE (Gewerbegebiet): Vorwiegend für Betriebe, Wohnen nur für Betriebsinhaber

Anzahl der Vollgeschosse und Gebäudehöhe

Oft wird eine römische Zahl angegeben, z. B. II = maximal zwei Vollgeschosse. Ergänzend kann eine maximale Firsthöhe (z. B. 10,5 m) oder Traufhöhe festgesetzt sein.

Beispiel Uentrop: In vielen Neubaugebieten in Uentrop sind zweigeschossige Einfamilienhäuser mit Satteldach (Firsthöhe max. 9,5 m) vorgeschrieben.

Bauweise und überbaubare Grundstücksfläche

Die Bauweise bestimmt, ob Häuser freistehend, als Doppelhaus oder in Reihe gebaut werden:

  • o (offene Bauweise): Einzelhäuser oder Doppelhäuser mit seitlichem Grenzabstand
  • a (abweichende Bauweise): Variationen, z. B. Reihenhäuser in offener Bauweise
  • g (geschlossene Bauweise): Häuser grenzen beidseitig an Nachbargebäude (selten in Wohngebieten)

Die überbaubare Grundstücksfläche wird durch Baugrenzen (durchgezogene Linie) oder Baulinien (gestrichelte Linie) markiert. Nur innerhalb dieser Linien darfst du das Hauptgebäude errichten.

Dachform und Dachneigung

Viele Hammer B-Pläne schreiben bestimmte Dachformen vor:

  • SD = Satteldach (häufig in Bockum-Hövel oder Rhynern)
  • FD = Flachdach (oft in modernen Baugebieten)
  • WD = Walmdach
  • Dachneigung z. B. 38–45° (als Spanne oder fester Wert)

Praxistipp: Achte auf Festsetzungen zu Dacheindeckung (z. B. nur dunkle Ziegel) und Dachaufbauten (Gauben, Solaranlagen). Manche Pläne schreiben vor, dass Solaranlagen bündig ins Dach integriert werden müssen.

Stellplätze und Garagen

Die Stellplatzsatzung der Stadt Hamm verlangt in der Regel mindestens einen Stellplatz pro Wohnung, oft zwei bei Einfamilienhäusern. Der B-Plan kann zusätzlich festlegen:

  • Wo Garagen und Stellplätze stehen dürfen (oft nur hinter der Baulinie)
  • Ob Garagen in das Hauptgebäude integriert werden müssen
  • Mindestabstände zur Straße (z. B. 5 m vor Garagentor)

Grünfestsetzungen und Anpflanzgebote

Viele Pläne enthalten ökologische Vorgaben:

  • Anpflanzgebot: Du musst eine bestimmte Anzahl Bäume oder Hecken pflanzen
  • Erhaltungsgebot: Vorhandene Bäume dürfen nicht gefällt werden (oft mit Symbol markiert)
  • Dachbegrünung: Bei Flachdächern manchmal verpflichtend
  • Versickerung: Regenwasser muss auf dem Grundstück versickern (in Hamm wegen Bodenverhältnissen nicht überall möglich)

Bebauungsplan-Beispiele aus Hamm

Um die Theorie greifbarer zu machen, hier typische Konstellationen:

Neubaugebiet in Herringen

Ein typisches Einfamilienhausgebiet in Herringen:

  • Nutzung: WA (Allgemeines Wohngebiet)
  • GRZ: 0,4 / GFZ: 0,8
  • Bauweise: o (offen), Einzelhäuser
  • Geschosse: II (zwei Vollgeschosse)
  • Dach: SD 38–42° (Satteldach)
  • Grundstücksgröße: ca. 400–600 m²

Was bedeutet das? Auf einem 500-m²-Grundstück darfst du ein freistehendes Einfamilienhaus mit ca. 200 m² Grundfläche (inkl. Nebenanlagen max. 300 m²) und zwei Vollgeschossen bauen, klassisches Einfamilienhaus mit Satteldach.

Verdichtetes Wohngebiet in Hamm-Mitte

In zentraler Lage, z. B. nahe dem Kurpark:

  • Nutzung: WA
  • GRZ: 0,6 / GFZ: 1,2
  • Bauweise: a (abweichend), Doppel- oder Reihenhäuser möglich
  • Geschosse: III
  • Dach: FD oder SD 20–30° (flachere Dächer)

Interpretation: Höhere Ausnutzung, dichter bebaut, bis zu drei Geschosse, typisch für stadtnahe Lagen mit knappem Bauland.

Älterer Bebauungsplan in Bockum

In gewachsenen Ortsteilen wie Bockum gibt es oft ältere B-Pläne mit großzügigeren Vorgaben:

  • GRZ: 0,3 / GFZ: 0,6
  • Bauweise: o, Einzelhäuser
  • Geschosse: I–II (ein bis zwei Vollgeschosse)
  • Grundstücke: oft 800–1.200 m²

Folge: Lockere Bebauung, viel Grün, aber auch höherer Grundstückspreis pro Quadratmeter bebaubarer Fläche.

Sonderfälle und Ausnahmen

Bestandsschutz

Wenn dein Grundstück bereits bebaut ist und das Gebäude nicht den aktuellen B-Plan-Vorgaben entspricht, genießt es in der Regel Bestandsschutz. Du darfst es weiter nutzen und instand halten. Bei größeren Umbauten oder Erweiterungen musst du aber die aktuellen Festsetzungen beachten.

Befreiungen und Ausnahmen

In begründeten Einzelfällen kann die Stadt Hamm Befreiungen vom B-Plan erteilen (§ 31 BauGB). Das kommt infrage, wenn:

  • Die Abweichung geringfügig ist
  • Nachbarn nicht beeinträchtigt werden
  • Städtebauliche Gründe nicht entgegenstehen

Beispiel: Du möchtest statt GRZ 0,4 eine GRZ von 0,42 realisieren, weil das Grundstück eine ungünstige Form hat. Das Bauamt kann das genehmigen, muss es aber nicht.

Gebiete ohne Bebauungsplan

Nicht für jedes Grundstück in Hamm gibt es einen B-Plan. In unbeplanten Gebieten gilt § 34 BauGB (Innenbereich) oder § 35 BauGB (Außenbereich):

  • § 34: Dein Bauvorhaben muss sich nach Art und Maß in die Umgebungsbebauung einfügen
  • § 35: Im Außenbereich (z. B. in Westhusen oder Norddinker) sind nur privilegierte Vorhaben (Landwirtschaft, Windkraft) oder Ausnahmen zulässig

Schritt für Schritt: So liest du den Bebauungsplan für dein Grundstück

  1. Plan besorgen: Lade den aktuellen B-Plan von der Stadt Hamm herunter oder lass ihn dir im Bauamt zeigen
  2. Grundstück lokalisieren: Finde dein Grundstück anhand der Flurstücksnummer oder Adresse
  3. Nutzungsart prüfen: Welche Farbe/Kürzel hat dein Grundstück? (WA, WR, MI etc.)
  4. GRZ und GFZ ablesen: Meist als Zahlen im Plan oder in der Legende angegeben
  5. Baugrenzen finden: Wo darfst du bauen? (Rote oder schwarze Linien)
  6. Geschosszahl und Höhe: Römische Ziffern oder Höhenangaben beachten
  7. Dach und Bauweise: Symbole und Kürzel in der Legende nachschlagen
  8. Besondere Festsetzungen: Stellplätze, Bepflanzung, Lärmschutz etc. im Textteil lesen
  9. Bei Unklarheiten: Bauvoranfrage stellen oder Architekten/Bauingenieur hinzuziehen

Tipp: Ein erfahrener Architekt aus Hamm kennt die lokalen Bebauungspläne und kann dir helfen, das Maximum aus deinem Grundstück herauszuholen, im Rahmen der Vorschriften.

Warum der Bebauungsplan beim Grundstückskauf entscheidend ist

Viele Käufer konzentrieren sich auf Lage, Preis und Größe, und übersehen den B-Plan. Das kann teuer werden:

  • Zu kleine GRZ/GFZ: Dein Traumhaus passt nicht auf das Grundstück
  • Unpassende Dachform: Du wolltest ein Flachdach, aber es ist Satteldach vorgeschrieben
  • Eingeschränkte Nutzung: Du wolltest ein Homeoffice mit Kundenverkehr, aber WR lässt das nicht zu
  • Stellplätze: Auf dem Grundstück ist kein Platz für die vorgeschriebenen Stellplätze

Rat: Prüfe den B-Plan VOR dem Kaufvertrag. Lass dir vom Architekten eine grobe Machbarkeitsstudie erstellen, das kostet ein paar hundert Euro, kann aber Zehntausende sparen.

Lokale Besonderheiten in Hamm

Hochwasserschutz

Teile von Hamm liegen in Überschwemmungsgebieten der Lippe oder Ahse (z. B. in Werries oder Uentrop). Bebauungspläne können hier besondere Auflagen enthalten:

  • Mindestsockel für Erdgeschoss
  • Hochwasserangepasste Bauweise
  • Keine Kellergeschosse

Prüfe beim Bauamt, ob dein Grundstück betroffen ist.

Altlasten und Bergbau

In ehemaligen Bergbaugebieten (z. B. Herringen, Zeche Sachsen) können Altlasten oder Bergsenkungen eine Rolle spielen. Manche B-Pläne enthalten Hinweise auf:

  • Erforderliche Bodengutachten
  • Besondere Gründungsmaßnahmen
  • Einschränkungen bei Kellerbau

Denkmalschutz

In Bereichen wie Bad Hamm oder der Hammer Innenstadt gibt es denkmalgeschützte Ensembles. Hier gelten neben dem B-Plan auch denkmalrechtliche Vorgaben (Fassadengestaltung, Fenster, Dacheindeckung).

Häufige Fehler beim Lesen des Bebauungsplans

  • GRZ-Überschreitung unterschätzen: Viele vergessen, dass Terrasse, Zufahrt und Garage zur GRZ zählen
  • Dachgeschoss als Nicht-Vollgeschoss annehmen: Oft zählt es doch, dann passt die GFZ nicht
  • Baugrenzen ignorieren: Das Haus steht auf dem Papier perfekt, aber 2 m zu weit vorne
  • Veraltete Pläne verwenden: Manchmal gibt es Änderungen oder Ergänzungen, immer die aktuelle Fassung prüfen
  • Nachbarrecht vergessen: Selbst wenn der B-Plan etwas erlaubt, musst du Abstandsflächen nach Landesbauordnung NRW einhalten

Bauvoranfrage: Sicherheit vor dem Kauf

Wenn du unsicher bist, ob dein Bauvorhaben genehmigungsfähig ist, kannst du eine Bauvoranfrage bei der Stadt Hamm stellen. Das Bauamt prüft dann verbindlich, ob dein Projekt mit dem B-Plan vereinbar ist. Kosten: je nach Aufwand einige hundert Euro. Die Antwort ist drei Jahre gültig und gibt dir Planungssicherheit.

Vorteil: Du kannst den Grundstückskauf an die positive Bauvoranfrage koppeln, steht im Kaufvertrag eine entsprechende Bedingung, kannst du bei negativem Bescheid vom Vertrag zurücktreten.

Fazit: Bebauungsplan ist Pflichtlektüre

Der Bebauungsplan ist kein bürokratisches Ärgernis, sondern dein wichtigstes Planungsinstrument beim Grundstückskauf in Hamm. GRZ und GFZ bestimmen, wie groß dein Haus werden darf, Bauweise und Dachform prägen das Erscheinungsbild, und Grünfestsetzungen sorgen für lebenswerte Nachbarschaften.

Nimm dir Zeit, den Plan gründlich zu lesen, oder lass dich von einem Fachmann unterstützen. So vermeidest du böse Überraschungen und kannst dein Bauvorhaben von Anfang an realistisch planen. Ob in Pelkum, Rhynern oder Hamm-Mitte: Wer den Bebauungsplan versteht, baut sicherer und entspannter.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wo finde ich den Bebauungsplan für mein Grundstück in Hamm?

Die Stadt Hamm stellt viele Bebauungspläne online im Geoportal zur Verfügung. Alternativ kannst du beim Stadtplanungsamt im Rathaus (Theodor-Heuss-Platz) Einsicht nehmen oder eine Kopie anfordern. Beim Grundstückskauf sollte der Verkäufer oder Makler dir den aktuellen Plan zur Verfügung stellen.

Was bedeutet GRZ 0,4 konkret für mein 600-m²-Grundstück?

Bei GRZ 0,4 darfst du maximal 240 m² (600 × 0,4) überbauen. Das umfasst die Grundfläche des Hauses. Für Nebenanlagen (Garage, Terrasse, Zufahrt) darfst du in der Regel weitere 50 % der GRZ nutzen, also nochmals 120 m². Insgesamt dürfen dann maximal 360 m² versiegelt werden, 240 m² müssen als Grünfläche erhalten bleiben.

Kann ich eine Abweichung vom Bebauungsplan beantragen?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen kann die Stadt Hamm eine Befreiung nach § 31 BauGB erteilen. Die Abweichung muss geringfügig sein, darf die Grundzüge der Planung nicht berühren und Nachbarn nicht unzumutbar beeinträchtigen. Ob eine Befreiung möglich ist, entscheidet das Bauamt im Einzelfall, ein Rechtsanspruch besteht nicht.

Zählt ein ausgebautes Dachgeschoss als Vollgeschoss?

Nach der Landesbauordnung NRW gilt ein Geschoss als Vollgeschoss, wenn es mindestens 2,30 m lichte Höhe hat und seine Deckenoberkante im Mittel nicht mehr als 1,40 m unter der Geländeoberfläche liegt. Ein ausgebautes Dachgeschoss zählt oft als Vollgeschoss, wenn es groß genug ist. Die genaue Berechnung hängt von der Dachneigung und Raumhöhe ab, lass das von einem Architekten prüfen.

Was passiert, wenn ich ohne Genehmigung vom B-Plan abweiche?

Bauen ohne Genehmigung oder entgegen den Festsetzungen des Bebauungsplans ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit Bußgeldern geahndet werden. Schlimmstenfalls kann die Stadt Hamm einen Rückbau anordnen, du musst dann auf eigene Kosten das Gebäude abreißen oder zurückbauen. Halte dich daher immer an die Vorgaben und hole alle erforderlichen Genehmigungen ein.

Gibt es in Hamm Gebiete ohne Bebauungsplan?

Ja, nicht für alle Grundstücke in Hamm existiert ein Bebauungsplan. In unbeplanten Innenbereichen gilt § 34 BauGB: Dein Bauvorhaben muss sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung in die Umgebungsbebauung einfügen. Im Außenbereich (§ 35 BauGB) sind nur privilegierte Vorhaben wie land- oder forstwirtschaftliche Betriebe zulässig. Bei Unsicherheit hilft eine Bauvoranfrage.

Wie lange ist ein Bebauungsplan gültig?

Ein Bebauungsplan gilt unbefristet, bis er durch einen neuen Plan geändert oder aufgehoben wird. Die Stadt Hamm kann jederzeit Änderungen beschließen, daher ist es wichtig, vor einem Grundstückskauf die aktuelle Fassung zu prüfen. Auch laufende Planverfahren solltest du erfragen, da sie dein Bauvorhaben beeinflussen können.

Muss ich mich an den Bebauungsplan halten, wenn mein Nachbar dagegen verstoßen hat?

Ja. Der Verstoß eines Nachbarn ändert nichts an der Rechtslage für dein Grundstück. Jeder Bauantrag wird einzeln geprüft. Wenn du feststellst, dass ein Nachbar gegen den B-Plan verstößt, kannst du das der Stadt Hamm melden, das Bauamt prüft dann, ob Maßnahmen erforderlich sind.

Kann ich auf meinem Grundstück eine Photovoltaikanlage installieren, auch wenn der B-Plan dazu nichts sagt?

In der Regel ja. Solaranlagen auf Dächern sind meist genehmigungsfrei, solange sie die Dachfläche nicht wesentlich überragen. Manche Bebauungspläne enthalten aber Vorgaben zur Dachgestaltung oder verlangen eine bündige Integration. Prüfe den Textteil des B-Plans oder frage beim Bauamt nach, wenn du unsicher bist.

Welche Rolle spielt der Bebauungsplan bei der Immobilienbewertung?

Der Bebauungsplan beeinflusst den Wert eines Grundstücks erheblich. Eine hohe GRZ und GFZ ermöglichen eine intensive Bebauung und steigern den Wert. Restriktive Vorgaben (z. B. nur eingeschossig, große Grünflächen) senken die Ausnutzbarkeit und damit oft den Preis. Auch die Lage im B-Plan (Bauland vs. Grünfläche) ist entscheidend. Für eine fundierte Immobilienbewertung sollten diese Faktoren berücksichtigt werden.